Achtsamkeit und Aversion

Achtsamkeit, eine Praxis, die oft mit Meditation verbunden ist, wird zunehmend als wirksames Mittel zur Emotionsregulation und zur Verringerung von Aversionen untersucht. Diese Praxis zielt darauf ab, die Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment zu lenken und eine nicht-wertende Akzeptanz von Gedanken und Gefühlen zu fördern.

Mechanismen der Emotionsregulation durch Achtsamkeit

Integration von Gehirnregionen: Achtsamkeit, insbesondere die Aufmerksamkeit auf den Atem, kann die Aktivität der Amygdala, die mit der Verarbeitung von aversiven Emotionen verbunden ist, herunterregulieren und ihre Integration mit präfrontalen Regionen erhöhen. Dies deutet auf einen möglichen neuronalen Pfad hin, durch den Achtsamkeit die Emotionsregulation unterstützt (Doll et al., 2016).

Reduktion von interozeptivem Stress: Achtsamkeitstraining kann die neuronale Verarbeitung von aversiven interozeptiven Reizen, wie z.B. Atembelastung, modulieren, indem es die Aktivierung der rechten anterioren Insula und des anterioren cingulären Cortex verringert (Haase et al., 2016).

Achtsamkeit und Aversion

Verminderung von Aversion: Achtsamkeit kann dazu beitragen, aversive Reaktionen auf negative Stimuli zu verringern. Dies geschieht durch eine erhöhte Aufmerksamkeit auf aversive Reize, was zu einer verminderten subjektiven aversiven Reaktion und einer verbesserten Neubewertung der Erinnerung führt (Leibovitz et al., 2023).
Verlangsamte Wiedererwerbung von Angstreaktionen: Die Praxis der Achtsamkeit kann die Wiedererwerbung von konditionierten Angstreaktionen verlangsamen, was darauf hindeutet, dass Achtsamkeit die aversive Reaktion auf spezifische Stimuli abschwächen kann (Jones et al., 2017).

Achtsamkeit und Risikoverhalten

Risikopräferenz: Verschiedene Aspekte der Achtsamkeit, wie Aufmerksamkeit und Präsenz, sind mit einer geringeren Risikopräferenz bei Entscheidungen verbunden. Dies zeigt sich insbesondere bei der Vermeidung von monetären Verlusten, wo Achtsamkeit mit einer höheren Risikopräferenz assoziiert ist (Zhang et al., 2020).

Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen: Achtsamkeit kann die Risikovermeidung beeinflussen, indem sie die Auswirkungen von Persönlichkeitsmerkmalen wie Gewissenhaftigkeit und Offenheit auf die Risikovermeidung positiv vermittelt (Aumeboonsuke & Čaplánová, 2021).

Herausforderungen und zukünftige Forschungsrichtungen

Unterschiedliche Facetten der Achtsamkeit: Die Akzeptanzfacette der Achtsamkeit ist möglicherweise mit einer geringeren aversiven Reaktion auf aversive Stimuli verbunden, während die Präsenzfacette mit einer schnelleren Reaktionszeit in emotionalen Tests assoziiert ist (Sauer et al., 2011).
Klinische Relevanz: Weitere Studien sind erforderlich, um die klinische Relevanz der Achtsamkeit bei der Behandlung von aversiven Reaktionen und Angststörungen zu bestimmen (Sauer et al., 2011).

Fazit

Achtsamkeit bietet vielversprechende Ansätze zur Emotionsregulation und zur Verringerung von Aversionen. Die Praxis kann die neuronale Verarbeitung von aversiven Reizen modulieren und die Risikopräferenz beeinflussen. Zukünftige Forschungen sollten sich darauf konzentrieren, die spezifischen Mechanismen und die klinische Anwendbarkeit von Achtsamkeit weiter zu untersuchen.

Doll, A., Hölzel, B., Bratec, S., Boucard, C., Xie, X., Wohlschläger, A., & Sorg, C. (2016). Mindful attention to breath regulates emotions via increased amygdala–prefrontal cortex connectivity. NeuroImage, 134, 305-313. https://doi.org/10.1016/j.neuroimage.2016.03.041

Haase, L., Thom, N., Shukla, A., Davenport, P., Simmons, A., Stanley, E., Paulus, M., & Johnson, D. (2016). Mindfulness-based training attenuates insula response to an aversive interoceptive challenge.. Social cognitive and affective neuroscience, 11 1, 182-90. https://doi.org/10.1093/scan/nsu042

Zhang, Y., Chen, Z., Lu, S., & Ni, S. (2020). Are mindful people more risk-averse? Effects of trait and state mindfulness on risk preference in decision-making.. International journal of psychology : Journal international de psychologie. https://doi.org/10.1002/ijop.12716

Aumeboonsuke, V., & Čaplánová, A. (2021). An analysis of impact of personality traits and mindfulness on risk aversion of individual investors. Current Psychology, 42, 6800-6817. https://doi.org/10.1007/s12144-021-02015-9

Jones, F., McLaren, R., & Mclaren, I. (2017). Mindfulness and Fear Conditioning. Cognitive Science.

Leibovitz, S., Sevinc, G., Greenberg, J., Hölzel, B., Gard, T., Calahan, T., Vangel, M., Orr, S., Milad, M., & Lazar, S. (2023). Mindfulness training and exercise differentially impact fear extinction neurocircuitry.. Psychological medicine, 1-12. https://doi.org/10.1017/S0033291723002593

Sauer, S., Walach, H., Schmidt, S., Hinterberger, T., Horan, M., & Kohls, N. (2011). Implicit and explicit emotional behavior and mindfulness. Consciousness and Cognition, 20, 1558-1569. https://doi.org/10.1016/j.concog.2011.08.002