Achtsamkeit und Psychosomatik
Achtsamkeit, ein Konzept, das seinen Ursprung in der buddhistischen Psychologie hat, hat in den letzten Jahren in der psychosomatischen Medizin und Psychologie an Bedeutung gewonnen. Achtsamkeitsbasierte Interventionen werden zunehmend als wirksame Methode zur Linderung von psychosomatischen und psychischen Beschwerden anerkannt.
Definition und Messung von Achtsamkeit
Die Definition von Achtsamkeit ist komplex und variiert je nach Quelle. Es gibt zahlreiche Selbstbewertungsfragebögen, die versuchen, Achtsamkeit zu messen, jedoch bestehen erhebliche konzeptionelle Unterschiede und Herausforderungen bei der Operationalisierung des Begriffs. Diese Unterschiede können die Validität der Messinstrumente beeinträchtigen und die ursprüngliche Bedeutung des buddhistischen Konzepts verfälschen (Grossman, 2008).
Achtsamkeitsbasierte Interventionen und ihre Wirkung
Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR) ist ein strukturiertes Gruppenprogramm, das Achtsamkeitsmeditation nutzt, um Leiden im Zusammenhang mit physischen, psychosomatischen und psychiatrischen Störungen zu lindern. Studien zeigen, dass MBSR die Wahrnehmung verbessert, negative Affekte reduziert und die Vitalität sowie das Bewältigungsverhalten stärkt (Grossman et al., 2004; Grossman et al., 2004). Eine Meta-Analyse ergab, dass MBSR signifikante Effekte auf die Reduzierung von Angst, Depression und wahrgenommenem Stress hat und das allgemeine Wohlbefinden verbessert (Pan et al., 2024).
Psychosomatische Symptomlinderung
In einer Studie mit Patienten mit somatischen Symptomstörungen zeigte sich, dass Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie (MBCT) durch die Verbesserung von Selbstmitgefühl und die Reduzierung von Alexithymie psychosomatische Belastungen lindern kann. Diese Veränderungen spielen eine vermittelnde Rolle bei der Reduktion psychosomatischer Beschwerden (Xu et al., 2024).
Neurokognitive Perspektiven
Neurowissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Achtsamkeitsmeditation mit positiven Veränderungen in der Gehirnaktivität verbunden ist, die zu einer besseren Modulation negativer Emotionen führen können. Diese Praktiken fördern die Reorganisation von kortikalen Netzwerken und unterstützen eine positive affektive Ausrichtung (Tang et al., 2015; Kupper et al., 2008). Bei Anfängern der Achtsamkeitspraxis wurden funktionelle Veränderungen in Hirnregionen beobachtet, die mit Aufmerksamkeit und interozeptiven Funktionen verbunden sind (Gan et al., 2022).
Herausforderungen und zukünftige Forschungsrichtungen
Trotz der positiven Ergebnisse gibt es noch viele offene Fragen bezüglich der genauen neuronalen Mechanismen, die den positiven Effekten der Achtsamkeit zugrunde liegen. Zukünftige Studien sollten methodisch rigoroser sein, um ein vollständiges Verständnis der neuronalen und molekularen Grundlagen der durch Achtsamkeit induzierten Veränderungen im Gehirn zu erlangen (Tang et al., 2015). Zudem sollten personalisierte Ansätze entwickelt werden, um die Wirksamkeit von Achtsamkeitsinterventionen weiter zu optimieren (Pan et al., 2024).
Insgesamt zeigt die Forschung, dass Achtsamkeit ein vielversprechendes Werkzeug zur Verbesserung der psychosomatischen Gesundheit darstellt, jedoch sind weitere Untersuchungen erforderlich, um die Mechanismen und langfristigen Effekte besser zu verstehen.
Studien zu Achtsamkeit und Psychosomatik
Grossman, P. (2008). On measuring mindfulness in psychosomatic and psychological research.. Journal of psychosomatic research, 64 4, 405-8. https://doi.org/10.1016/j.jpsychores.2008.02.001
Xu, L., Shi, J., & Li, C. (2024). Addressing psychosomatic symptom distress with mindfulness-based cognitive therapy in somatic symptom disorder: mediating effects of self-compassion and alexithymia. Frontiers in Psychiatry, 15. https://doi.org/10.3389/fpsyt.2024.1289872
Grossman, P., Niemann, L., Schmidt, S., & Walach, H. (2004). Mindfulness-based stress reduction and health benefits: A meta-analysis. Journal of Psychosomatic Research, 57(1), 35-43. https://doi.org/10.1016/S0022-3999(03)00573-7
Grossman, P., Niemann, L., Schmidt, S., & Walach, H. (2004). Mindfulness-based stress reduction and health benefits. A meta-analysis.. Journal of psychosomatic research, 57 1, 35-43. https://doi.org/10.1111/J.2042-7166.2003.TB04008.X
Pan, Y., Li, F., Liang, H., Shen, X., Bing, Z., Cheng, L., & Dong, Y. (2024). Effectiveness of Mindfulness-Based Stress Reduction on Mental Health and Psychological Quality of Life among University Students: A GRADE-Assessed Systematic Review. Evidence-based Complementary and Alternative Medicine : eCAM, 2024. https://doi.org/10.1155/2024/8872685
Tang, Y., Hölzel, B., & Posner, M. (2015). The neuroscience of mindfulness meditation. Nature Reviews Neuroscience, 16, 213-225. https://doi.org/10.1038/nrn3916
Gan, Q., Ding, N., Bi, G., Liu, R., Zhao, X., Zhong, J., Wu, S., Zeng, Y., Cui, L., Wu, K., Fu, Y., & Chen, Z. (2022). Enhanced Resting-State Functional Connectivity With Decreased Amplitude of Low-Frequency Fluctuations of the Salience Network in Mindfulness Novices. Frontiers in Human Neuroscience, 16. https://doi.org/10.3389/fnhum.2022.838123
Kupper, Z., Bergomi, C., & Tschacher, W. (2008). P0367 – Mindfulness-based interventions in psychotherapy – current research on psychological and neurophysiological change. European Psychiatry, 23, S407 – S407. https://doi.org/10.1016/j.eurpsy.2008.01.1410