Einführung in Achtsamkeit und Rücksicht
Achtsamkeit, oft als bewusste Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment beschrieben, hat in den letzten Jahren sowohl in der Forschung als auch in der Praxis erheblich an Bedeutung gewonnen. Sie wird als Mittel zur Verbesserung der kognitiven und emotionalen Prozesse sowie zur Förderung des Wohlbefindens angesehen. Rücksicht, als eine Form der sozialen Achtsamkeit, spielt eine wichtige Rolle in zwischenmenschlichen Beziehungen und im Arbeitsumfeld.
Achtsamkeit und ihre Auswirkungen
Kognitive und emotionale Vorteile
Studien zeigen, dass Achtsamkeitstraining signifikante Verbesserungen in der Aufrechterhaltung der zielgerichteten Aufmerksamkeit und der kognitiven Leistung bewirken kann, insbesondere bei älteren Erwachsenen (Dwivedi et al., 2015). Achtsamkeit kann auch die emotionale Regulation verbessern, obwohl spezifische Verbesserungen in der exekutiven Kontrolle nicht immer nachgewiesen werden konnten (Dwivedi et al., 2015).
Auswirkungen auf das Wohlbefinden
Achtsamkeit hat positive Effekte auf die psychische und physische Gesundheit, einschließlich der Reduzierung von Stress und der Verbesserung der Lebensqualität (Bateman, 2012; Tang et al., 2015). Sie kann auch das Risiko eines Rückfalls bei Depressionen verringern und bei der Bewältigung chronischer Schmerzen helfen (Creswell, 2017).
Achtsamkeit im Arbeitsumfeld
Einfluss auf die Arbeitsleistung
Achtsamkeit beeinflusst die Aufmerksamkeit und hat nachgelagerte Effekte auf kognitive, emotionale und verhaltensbezogene Domänen, die wiederum die Arbeitsleistung, Beziehungen und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz verbessern können (Good et al., 2016). Sie kann helfen, automatische Verhaltensweisen zu vermeiden, die auf vorgefassten Annahmen beruhen (Pagnini & Philips, 2015).
Herausforderungen und Missverständnisse
Es gibt Kritik an der Popularisierung der Achtsamkeit, da sie oft als passive Akzeptanz missverstanden wird, was das aktive Problemlösen untergraben könnte (Choi et al., 2021). Zudem wird argumentiert, dass eine entkontextualisierte Anwendung von Achtsamkeit in Organisationen zu einer Reproduktion von Machtstrukturen führen kann (Purser & Milillo, 2015).
Zukünftige Forschungsrichtungen
Methodologische Herausforderungen
Obwohl die positiven Effekte von Achtsamkeit gut dokumentiert sind, bleiben die zugrunde liegenden neuronalen Mechanismen unklar. Es besteht Bedarf an methodologisch rigorosen Studien, um die neuronalen und molekularen Grundlagen der durch Achtsamkeit induzierten Veränderungen im Gehirn besser zu verstehen (Tang et al., 2015).
Integration in verschiedene Lebensbereiche
Zukünftige Forschung sollte sich darauf konzentrieren, wie Achtsamkeit in verschiedenen Kontexten, wie dem Arbeitsplatz oder der Schule, effektiv angewendet werden kann, um das Wohlbefinden und die Leistung zu verbessern (Creswell, 2017).
Achtsamkeit und Rücksicht in der Gesamtnetrachtung
Achtsamkeit bietet eine Vielzahl von Vorteilen für die kognitive und emotionale Gesundheit sowie für das Wohlbefinden im Allgemeinen. Trotz der Herausforderungen und Missverständnisse in ihrer Anwendung bleibt sie ein vielversprechendes Feld für zukünftige Forschung und Praxis.
Studien zu Achtsamkeit und Rücksicht
Dwivedi, M., Moore, A., Mead, B., & Gruber, T. (2015). Mindful Aging: The Effects of Regular Brief Mindfulness Practice on Electrophysiological Markers of Cognitive and Affective Processing in Older Adults. Mindfulness, 8, 78 – 94. https://doi.org/10.1007/s12671-015-0482-8
Good, D., Lyddy, C., Glomb, T., Bono, J., Brown, K., Duffy, M., Baer, R., Brewer, J., & Lazar, S. (2016). Contemplating Mindfulness at Work. Journal of Management, 42, 114 – 142. https://doi.org/10.1177/0149206315617003
Purser, R., & Milillo, J. (2015). Mindfulness Revisited. Journal of Management Inquiry, 24, 24 – 3. https://doi.org/10.1177/1056492614532315
Bateman, A. (2012). Mindfulness. British Journal of Psychiatry, 201, 297 – 297. https://doi.org/10.4135/9781412979306.n151
Pagnini, F., & Philips, D. (2015). Being mindful about mindfulness.. The lancet. Psychiatry, 2 4, 288-9. https://doi.org/10.1016/S2215-0366(15)00041-3
Creswell, J. (2017). Mindfulness Interventions.. Annual review of psychology, 68, 491-516. https://doi.org/10.1146/annurev-psych-042716-051139
Choi, E., Farb, N., Pogrebtsova, E., Gruman, J., & Grossmann, I. (2021). What do people mean when they talk about mindfulness?. Clinical psychology review, 89, 102085. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2021.102085
Tang, Y., Hölzel, B., & Posner, M. (2015). The neuroscience of mindfulness meditation. Nature Reviews Neuroscience, 16, 213-225. https://doi.org/10.1038/nrn3916