Achtsamkeit und Sorgen

Achtsamkeit, oft als bewusste und nicht wertende Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment definiert, hat sich als wirksames Mittel zur Reduzierung von Sorgen und damit verbundenen psychischen Belastungen erwiesen. Verschiedene Studien haben die Beziehung zwischen Achtsamkeit und Sorgen untersucht, um die Mechanismen zu verstehen, durch die Achtsamkeit diese negativen Gedankenmuster beeinflusst.

Mechanismen der Achtsamkeit bei der Reduktion von Sorgen

Regulation von Gedanken und Emotionen: Achtsamkeit korreliert mit einer geringeren Gesamtmenge an repetitiven Gedanken und einer positiveren Bewertung dieser Gedanken. Insbesondere die Komponente der akzeptierenden Haltung innerhalb der Achtsamkeit ist entscheidend für die Reduzierung von negativen Gedanken und Sorgen (Evans & Segerstrom, 2011; Fisak & Lehe, 2012).
Emotionale Regulation: Achtsamkeit wirkt sich direkt und indirekt auf die Reduzierung von Depressionen und Ängsten aus, wobei Sorgen und Grübeln als bedeutende Vermittler fungieren. Dies deutet darauf hin, dass Achtsamkeit durch die Verbesserung der emotionalen Regulation die Symptome von Depressionen und Ängsten mindern kann (Parmentier et al., 2019).

Auswirkungen von Achtsamkeit auf chronische Sorgen

Verbesserung der emotionalen und physiologischen Regulation: Achtsamkeitsbasierte Trainingsprogramme fördern die emotionale und physiologische Regulation, was zu einer Reduzierung chronischer Sorgen führt. Teilnehmer solcher Programme zeigen eine verbesserte emotionale Metakognition und physiologische Anpassungen, die Sorgen entgegenwirken (Delgado et al., 2010).
Toleranz gegenüber Stressoren: Achtsamkeit kann die negativen Auswirkungen von habitualisiertem Sorgen auf die psychische Gesundheit abmildern, indem sie die Toleranz gegenüber stressigen Situationen erhöht und die Akzeptanz fördert (Verplanken & Fisher, 2011).

Achtsamkeit und kognitive Funktionen im Alter

Kognitive Leistungsfähigkeit: Bei älteren Erwachsenen kann Achtsamkeit die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern, insbesondere in Bereichen wie Verarbeitungsgeschwindigkeit und Gedächtnis, und gleichzeitig die negativen Auswirkungen von Sorgen auf diese Funktionen mindern (Harper et al., 2022; Wetherell et al., 2017).

Herausforderungen und zukünftige Forschungsrichtungen

Untersuchung spezifischer Achtsamkeitskomponenten: Weitere Forschung ist erforderlich, um die spezifischen Komponenten der Achtsamkeit zu identifizieren, die am effektivsten bei der Reduzierung von Sorgen sind. Einige Studien haben gezeigt, dass nicht alle Facetten der Achtsamkeit gleich stark mit der Reduzierung von Sorgen verbunden sind (Fisak & Lehe, 2012).
Technologiegestützte Achtsamkeitsinterventionen: Die Entwicklung und Bewertung von technologiegestützten Achtsamkeitsprogrammen, wie z.B. App-basierte Trainings, könnten eine kostengünstige und skalierbare Methode zur Reduzierung von Sorgen und zur Verbesserung des Schlafs darstellen (Brewer et al., 2020).

Fazit

Achtsamkeit bietet vielversprechende Ansätze zur Reduzierung von Sorgen und zur Verbesserung der psychischen Gesundheit. Durch die Förderung einer akzeptierenden Haltung und die Verbesserung der emotionalen Regulation kann Achtsamkeit als wirksames Mittel zur Bewältigung von Sorgen und zur Förderung des Wohlbefindens dienen. Zukünftige Forschungen sollten sich auf die Optimierung von Achtsamkeitsinterventionen und deren Mechanismen konzentrieren, um deren Wirksamkeit weiter zu steigern.

Studien zu Achtsamkeit und Sorgen

Evans, D., & Segerstrom, S. (2011). Why do Mindful People Worry Less?. Cognitive Therapy and Research, 35, 505-510. https://doi.org/10.1007/s10608-010-9340-0

Parmentier, F., García-Toro, M., García-Campayo, J., Yáñez, A., Andrés, P., & Gili, M. (2019). Mindfulness and Symptoms of Depression and Anxiety in the General Population: The Mediating Roles of Worry, Rumination, Reappraisal and Suppression. Frontiers in Psychology, 10. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2019.00506

Delgado, L., Guerra, P., Perakakis, P., Vera, M., Del Paso, G., & Vila, J. (2010). Treating chronic worry: Psychological and physiological effects of a training programme based on mindfulness.. Behaviour research and therapy, 48 9, 873-82. https://doi.org/10.1016/j.brat.2010.05.012

Verplanken, B., & Fisher, N. (2011). Habitual Worrying and Benefits of Mindfulness. Mindfulness, 5, 566-573. https://doi.org/10.1007/S12671-013-0211-0

Harper, N., Delgadillo, M., Erickson, A., Boese, A., Schulte, T., & Fairchild, J. (2022). Mindfulness attenuates the impact of worry on late-life cognitive function. Aging & Mental Health, 27, 399 – 407. https://doi.org/10.1080/13607863.2021.2017851

Fisak, B., & Lehe, A. (2012). The Relation Between the Five Facets of Mindfulness and Worry in a Non-clinical Sample. Mindfulness, 3, 15-21. https://doi.org/10.1007/S12671-011-0075-0

Brewer, J., Roy, A., Deluty, A., Liu, T., & Hoge, E. (2020). Can mindfulness mechanistically target worry to improve sleep disturbances? Theory and study protocol for app-based anxiety program.. Health psychology : official journal of the Division of Health Psychology, American Psychological Association, 39 9, 776-784. https://doi.org/10.1037/hea0000874

Wetherell, J., Hershey, T., Hickman, S., Tate, S., Dixon, D., Bower, E., & Lenze, E. (2017). Mindfulness-Based Stress Reduction for Older Adults With Stress Disorders and Neurocognitive Difficulties: A Randomized Controlled Trial.. The Journal of clinical psychiatry, 78 7, e734-e743. https://doi.org/10.4088/JCP.16m10947