Achtsamkeit und Veränderung
Achtsamkeit, definiert als die bewusste und nicht wertende Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments, hat in den letzten Jahren erhebliches Interesse geweckt, insbesondere im Hinblick auf ihre Rolle bei der Förderung von Verhaltensänderungen und der Verbesserung des Wohlbefindens. Die Forschung untersucht, wie Achtsamkeit zur Veränderung von Verhaltensweisen beitragen kann, die für die Prävention und Behandlung chronischer Erkrankungen entscheidend sind.
Mechanismen der Achtsamkeit
Achtsamkeit fördert die Fähigkeit, gegenwärtige Erfahrungen nicht wertend und nicht reaktiv zu beobachten und zu beschreiben, was zu einer verbesserten psychologischen Funktion führen kann. Diese Praxis kann die Selbstaufmerksamkeit fördern, die Rumination und emotionale Vermeidung reduzieren und die Verhaltensselbstregulation verbessern (Baer, 2009; Roemer et al., 2015).
Die neurobiologischen Mechanismen, die den positiven Effekten der Achtsamkeit zugrunde liegen, sind noch nicht vollständig verstanden. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Achtsamkeit die neuronalen Systeme beeinflusst, die mit Motivation und Lernen verbunden sind, was zu einer besseren Verhaltensänderung führen kann (Schuman-Olivier et al., 2020; Tang et al., 2015).
Achtsamkeit und Verhaltensänderung
Achtsamkeitsbasierte Interventionen (MBIs) haben sich als wirksam bei der Behandlung sowohl psychologischer als auch physischer Symptome erwiesen. Diese Interventionen fördern die Bereitschaft zur Veränderung, indem sie die Flexibilität der Einstellungen und die wahrgenommene Kontrolle verbessern (Gärtner, 2013; Baer et al., 2019).
Studien zeigen, dass Achtsamkeit die emotionale Regulation unterstützt, indem sie die Intensität von Stress reduziert und die Fähigkeit zur Zielverfolgung verbessert. Diese Effekte können eine kausale Rolle bei der Förderung positiver Verhaltensänderungen spielen (Roemer et al., 2015).
Herausforderungen und zukünftige Forschungsrichtungen
Trotz der positiven Ergebnisse gibt es noch viele offene Fragen zu den spezifischen Mechanismen, durch die Achtsamkeit ihre Wirkung entfaltet. Zukünftige Forschung sollte sich auf die Klärung dieser Mechanismen konzentrieren, um die Wirksamkeit von Achtsamkeitsinterventionen weiter zu verbessern (Shapiro et al., 2006; Van Der Velden et al., 2015).
Es besteht Bedarf an methodisch rigorosen Studien, um die neuronalen und molekularen Grundlagen der durch Achtsamkeit induzierten Veränderungen im Gehirn besser zu verstehen (Tang et al., 2015).
Schlussfolgerung
Achtsamkeit hat das Potenzial, signifikante positive Veränderungen in verschiedenen Lebensbereichen zu bewirken, insbesondere durch die Förderung von Verhaltensänderungen und die Verbesserung der emotionalen Regulation. Die weitere Erforschung der zugrunde liegenden Mechanismen und die Entwicklung spezifischerer Messinstrumente könnten die Effektivität von Achtsamkeitsinterventionen weiter steigern und neue Wege zur Förderung des Wohlbefindens eröffnen.
Studien zu Achtsamkeit und Veränderung
Schuman-Olivier, Z., Trombka, M., Lovas, D., Brewer, J., Vago, D., Gawande, R., Dunne, J., Lazar, S., Loucks, E., & Fulwiler, C. (2020). Mindfulness and Behavior Change. Harvard Review of Psychiatry, 28, 371 – 394. https://doi.org/10.1097/HRP.0000000000000277
Baer, R. (2009). Self-Focused Attention and Mechanisms of Change in Mindfulness-Based Treatment. Cognitive Behaviour Therapy, 38, 15 – 20. https://doi.org/10.1080/16506070902980703
Shapiro, S., Carlson, L., Astin, J., & Freedman, B. (2006). Mechanisms of mindfulness.. Journal of clinical psychology, 62 3, 373-86. https://doi.org/10.1002/JCLP.20237
Gärtner, C. (2013). Enhancing Readiness for Change by Enhancing Mindfulness. Journal of Change Management, 13, 52 – 68. https://doi.org/10.1080/14697017.2013.768433
Baer, R., Gu, J., Cavanagh, K., & Strauss, C. (2019). Differential Sensitivity of Mindfulness Questionnaires to Change With Treatment: A Systematic Review and Meta-Analysis. Psychological Assessment, 31, 1247 – 1263. https://doi.org/10.1037/pas0000744
Roemer, L., Williston, S., & Rollins, L. (2015). Mindfulness and emotion regulation. Current opinion in psychology, 3, 52-57. https://doi.org/10.1016/J.COPSYC.2015.02.006
Van Der Velden, A., Kuyken, W., Wattar, U., Crane, C., Pallesen, K., Dahlgaard, J., Fjorback, L., & Piet, J. (2015). A systematic review of mechanisms of change in mindfulness-based cognitive therapy in the treatment of recurrent major depressive disorder.. Clinical psychology review, 37, 26-39. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2015.02.001
Tang, Y., Hölzel, B., & Posner, M. (2015). The neuroscience of mindfulness meditation. Nature Reviews Neuroscience, 16, 213-225. https://doi.org/10.1038/nrn3916