Disidentifikation und Achtsamkeit
Disidentifikation ist ein zentraler Aspekt der Achtsamkeit, der es Individuen ermöglicht, sich von ihren inneren Erfahrungen zu distanzieren und eine nicht-urteilende Perspektive einzunehmen. Diese Fähigkeit spielt eine entscheidende Rolle in der Verbesserung des psychischen Wohlbefindens und der Reduzierung von Stress und emotionalem Leiden.
Die Rolle der Disidentifikation in der Achtsamkeit
Effektivität bei der Reduzierung von Verlangen: Disidentifikation hat sich als die effektivste Achtsamkeitsfähigkeit zur Reduzierung von Schokoladenverlangen erwiesen. In einer Studie berichteten Teilnehmer, die in Disidentifikation geschult wurden, von weniger intensiven Verlangen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die Ablenkungstechniken nutzte. Diese Ergebnisse wurden durch eine Zunahme der Disidentifikationsfähigkeit und eine Abnahme des Verlangens vermittelt (Lacaille et al., 2014).
Neurale Mechanismen: Studien mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) zeigen, dass Disidentifikation während der Achtsamkeitsmeditation mit Veränderungen in bestimmten Hirnregionen verbunden ist. Diese Veränderungen unterstützen die Theorie, dass Achtsamkeit durch Disidentifikation positive Ergebnisse erzielt (Ives-Deliperi et al., 2011).
Disidentifikation und psychisches Wohlbefinden
Decentering und emotionale Distanzierung: Disidentifikation ist ein Bestandteil des Decentering, das die Fähigkeit umfasst, sich von emotionalen Erfahrungen zu distanzieren und die Reaktivität auf Gedankeninhalte zu reduzieren. Diese Fähigkeit wird durch Achtsamkeitsinterventionen gestärkt und trägt zur Verbesserung des psychischen Wohlbefindens bei (King & Fresco, 2018; Bernstein et al., 2018).
Blutdruck und kardiovaskuläre Gesundheit: Eine höhere Fähigkeit zur Disidentifikation wurde mit einer besseren nächtlichen Blutdruckregulation in Verbindung gebracht, was auf ein geringeres kardiovaskuläres Risiko hindeutet. Diese Fähigkeit könnte durch Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR) gefördert werden (Toorongian et al., 2023).
Herausforderungen und zukünftige Forschungsrichtungen
Unterschiedliche Achtsamkeitsfähigkeiten: Die Forschung zeigt, dass nicht alle Achtsamkeitsfähigkeiten gleich effektiv sind. Es ist wichtig, spezifische Fähigkeiten wie Disidentifikation zu identifizieren und zu fördern, um gezielte Interventionen zu entwickeln (Lacaille et al., 2014).
Integration in therapeutische Ansätze: Die Integration von Disidentifikation in therapeutische Ansätze könnte helfen, das emotionale Leiden zu lindern und die Lebensqualität von Patienten in verschiedenen medizinischen Kontexten zu verbessern (Appel, 2023).
Fazit
Disidentifikation ist eine wesentliche Komponente der Achtsamkeit, die signifikante Vorteile für das emotionale und körperliche Wohlbefinden bietet. Zukünftige Forschungen sollten sich darauf konzentrieren, wie diese Fähigkeit in verschiedenen therapeutischen Kontexten effektiv genutzt werden kann, um das psychische und physische Wohlbefinden zu fördern.
Studien zu Disidentifikation und Achtsamkeit
Lacaille, J., Ly, J., Zacchia, N., Bourkas, S., Glaser, E., & Knäuper, B. (2014). The effects of three mindfulness skills on chocolate cravings. Appetite, 76, 101-112.
Ives-Deliperi, V., Solms, M., & Meintjes, E. (2011). The neural substrates of mindfulness: An fMRI investigation. Social Neuroscience, 6, 231 – 242.
King, A., & Fresco, D. (2018). A neurobehavioral account for decentering as the salve for the distressed mind.. Current opinion in psychology, 28, 285-293. Bernstein, A., Hadash, Y., & Fresco, D. (2018). Metacognitive processes model of decentering: emerging methods and insights.. Current opinion in psychology, 28, 245-251.
Appel, P. (2023). When hope is lost.. The American journal of clinical hypnosis, 1-12.
Toorongian, C., Bauman, M., Thivierge, G., Stanic, R., & Durocher, J. (2023). The disidentification component of decentering is a predictor of nighttime systolic and diastolic blood pressure dipping. Physiology.