Ego und Achtsamkeit – vom Widerspruch zum Einklang finden
Ego und Achtsamkeit sind zwei Konzepte, die in der modernen Psychologie und Verhaltensforschung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Während das Ego oft mit Selbstzentriertheit und egozentrischen Wahrnehmungen assoziiert wird, zielt Achtsamkeit darauf ab, das Bewusstsein und die Akzeptanz des gegenwärtigen Moments zu fördern, was potenziell das Ego und damit verbundene Verhaltensweisen beeinflussen kann.
Reduktion von Egozentrismus durch Achtsamkeit
Studien zeigen, dass Achtsamkeit helfen kann, egozentrische Wahrnehmungen zu verringern. Eine Untersuchung ergab, dass kurze Achtsamkeitsmeditationen die Tendenz reduzieren können, sich selbst im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit anderer zu sehen, indem sie die Perspektive von der ersten auf die dritte Person verschieben (Golubickis et al., 2016). Diese Veränderung der Perspektive kann dazu beitragen, die persönliche Bedeutung und Salienz zu verringern.
Achtsamkeit und Selbstregulation
Achtsamkeit ist eng mit der Selbstregulation verbunden, indem sie die Fähigkeit fördert, sich selbst mit Mitgefühl zu behandeln und die Kontrolle über egoistische Impulse zu verbessern (Masicampo & Baumeister, 2007). Diese Praxis kann helfen, die negativen Auswirkungen von Selbstbewusstsein und Egoismus zu mindern, was zu einer besseren Lebensqualität führen kann.
Achtsamkeit und das „stille Ego“
Regelmäßige Meditationspraxis und tiefere Erfahrungen mit Achtsamkeit sind mit höheren psychologischen Achtsamkeitswerten verbunden, die wiederum mit „stillen Ego“-Merkmalen korrelieren. Diese Merkmale umfassen Weisheit, Altruismus und ein Gefühl der Verbundenheit mit allen Lebewesen, was zu einem besseren psychischen und physischen Wohlbefinden führen kann (Wayment et al., 2011).
Emotionale Regulation und Stressbewältigung
Achtsamkeit spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulation von Emotionen und der Stressbewältigung. Sie fördert die Fähigkeit, emotionale Reaktionen zu überwachen und zu regulieren, was zu einer verringerten emotionalen Reaktivität und einem besseren Umgang mit Stress führt (Hede, 2010; Roemer et al., 2015). Diese Fähigkeit zur emotionalen Regulation kann auch die Fähigkeit zur Neubewertung von Widrigkeiten und zum Genießen positiver Erfahrungen verbessern (Garland et al., 2015).
Achtsamkeit und Aggressionsreduktion
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Achtsamkeit mit einem geringeren Maß an Ego-Involviertheit verbunden ist, was wiederum zu einer Reduzierung von Aggression und feindseligem Verhalten führen kann. Personen, die in Achtsamkeit geschult wurden, zeigten weniger aggressives Verhalten, insbesondere nach sozialer Zurückweisung (Heppner et al., 2008).
Ego und Achtsamkeit in der Gesamtschau
Insgesamt deuten die Forschungsergebnisse darauf hin, dass Achtsamkeit eine wirksame Methode sein kann, um egozentrische Tendenzen zu reduzieren, die Selbstregulation zu verbessern und das emotionale Wohlbefinden zu fördern. Diese Effekte tragen dazu bei, das Ego zu beruhigen und eine tiefere Verbindung zu sich selbst und anderen zu ermöglichen.
Wissenschaftliche Studien zu Ego und Achtsamkeit
Golubickis, M., Tan, L., Falbén, J., & Macrae, C. (2016). The observing self: Diminishing egocentrism through brief mindfulness meditation. European Journal of Social Psychology, 46, 521-527.
Masicampo, E., & Baumeister, R. (2007). Relating Mindfulness and Self-Regulatory Processes. Psychological Inquiry, 18, 255 – 258.
Wayment, H., Wiist, B., Sullivan, B., & Warren, M. (2011). Doing and Being: Mindfulness, Health, and Quiet Ego Characteristics Among Buddhist Practitioners. Journal of Happiness Studies, 12, 575-589.
Hede, A. (2010). The dynamics of mindfulness in managing emotions and stress. Journal of Management Development, 29, 94-110.
Garland, E., Farb, N., Goldin, P., & Fredrickson, B. (2015). Mindfulness Broadens Awareness and Builds Eudaimonic Meaning: A Process Model of Mindful Positive Emotion Regulation. Psychological Inquiry, 26, 293 – 314.
Roemer, L., Williston, S., & Rollins, L. (2015). Mindfulness and emotion regulation. Current opinion in psychology, 3, 52-57.
Heppner, W., Kernis, M., Lakey, C., Campbell, W., Goldman, B., Davis, P., & Cascio, E. (2008). Mindfulness as a means of reducing aggressive behavior: dispositional and situational evidence.. Aggressive behavior, 34 5, 486-96.