Welche Ziele haben Menschen, die Achtsamkeit im MBSR-Kurs lernen wollen?
Zu den Zielen von Achtsamkeitsschülern zählen Stressreduktion, Verbesserung mentaler und körperlicher Gesundheit sowie persönliche Gründe hinsichtlich der Lebensgestaltung. Diese Ziele werden durch wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit von MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) unterstützt.
Als MBSR-Kursleiter führe ich mit jeder Person, die an einem Kurs teilnehmen will, ein ausführliches Vorgespräch. Aus inzwischen Hunderten dieser Vorgespräche habe ich hier einige der zentralen Ziele in einer Übersicht zusammengefasst. Nach jeder Zwischenüberschrift finden Sie einen Link zu genaueren Beschreibungen der Themen.
Zentrales Ziel: Achtsamkeitspraxis zur Stressreduktion
Stressabbau: Die Mehrzahl der Menschen in meinen MBSR-Kursen wollen Achtsamkeit erlernen, um besser mit einzelnen Stresssituationen umzugehen und langfristig ihren Stresspegel zu senken. Meta-Analysen zeigen eine moderate bis starke Wirksamkeit von MBSR für die Stressreduktion (Khoury et al., 2015).
Entspannung: Regelmäßige Achtsamkeitsübungen nutzen viele für das Ziel, sich zu entspannen und innere Ruhe zu finden. Studien belegen, dass MBSR die physiologischen Entspannungsreaktionen verstärkt und den Cortisolspiegel senken kann (Pascoe et al., 2017).
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Achtsamkeit zur Verbesserung der mentalen Gesundheit
Reduktion von Angstzuständen und depressiven Episoden: Achtsamkeit kann helfen, Symptome von Angst und Depression zu lindern, indem sie den Fokus auf den gegenwärtigen Moment lenkt und negative Gedankenschleifen unterbricht. Klinische Studien zeigen, dass MBSR Angstsymptome um durchschnittlich 30-40% reduzieren kann (Hofmann et al., 2010) und präventiv gegen Rückfälle bei Depressionen wirkt (Kuyken et al., 2016).
Stärkung emotionaler Stabilität: Viele streben danach, durch die Achtsamkeitspraxis ihre emotionale Gleichgewicht zu verbessern und damit eine größere emotionale Stabilität zu erreichen. Neuroimaging-Studien belegen Veränderungen in der Amygdala und im präfrontalen Cortex, die mit verbesserter Emotionsregulation zusammenhängen (Hölzel et al., 2011).
Verbesserung der körperlichen Gesundheit
Besseren Schlaf etablieren: Achtsamkeitsübungen können zu einem besseren Schlaf beitragen, indem sie helfen, den Geist zu beruhigen. Randomisierte kontrollierte Studien zeigen, dass MBSR die Schlafqualität bei Personen mit Schlafstörungen verbessert (Black et al., 2015).
Schmerzmanagement und Schmerzlinderung: Menschen mit akuten oder chronischen Schmerzen nutzen Achtsamkeitstechniken zum besseren Umgang mit ihren Schmerzen. Metaanalysen belegen mittlere Effektstärken von MBSR bei chronischen Schmerzzuständen (Hilton et al., 2017), wobei die Schmerzakzeptanz erhöht und das Schmerzerleben verändert wird.
Persönliches Wachstum und Selbsterkenntnis
Selbstbewusstsein entwickeln: Achtsamkeit hilft, ein tieferes Verständnis für die eigenen Gedanken, Gefühle und Verhaltensmuster zu entwickeln. Qualitative Forschung zeigt, dass MBSR-Teilnehmer von erhöhter Selbstwahrnehmung und Klarheit über eigene Werte berichten (Malpass et al., 2012).
Selbstakzeptanz: MBSR fördert Selbstakzeptanz und Mitgefühl für sich selbst und andere. Studien zeigen einen signifikanten Anstieg von Selbstmitgefühl nach MBSR-Kursen (Neff & Germer, 2013).
Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen
Gelingende Kommunikation: Durch achtsames Zuhören und Sprechen können zwischenmenschliche Beziehungen verbessert werden. Forschung zu interpersoneller Achtsamkeit zeigt verbesserte Kommunikation und Konfliktlösungsfähigkeiten (Carson et al., 2004).
Wunsch nach mehr Empathie und Mitgefühl: Achtsamkeit kann das Einfühlungsvermögen und das Mitgefühl für andere steigern. Studien belegen erhöhte Aktivität in Hirnregionen, die mit Empathie assoziiert sind, nach Achtsamkeitstraining (Lutz et al., 2008).
Erhöhung der Lebensqualität
Gegenwärtigkeit: Viele Menschen streben danach, bewusster und gegenwärtiger im Alltag zu leben und das Hier und Jetzt mehr zu schätzen. Längsschnittstudien zeigen, dass MBSR-Teilnehmer von einer erhöhten Bewusstheit im Alltag berichten, die auch Jahre nach dem Kurs anhält (Kabat-Zinn, 2003).
Zufriedenheit und Glück: Durch Achtsamkeit wollen sie mehr Zufriedenheit und Glück in ihrem Leben finden, indem sie sich auf positive Aspekte des Lebens konzentrieren. Interventionsstudien zeigen einen moderaten Anstieg von Wohlbefinden und positiven Emotionen (Eberth & Sedlmeier, 2012).
Erhöhung von Konzentration und Produktivität
Konzentrationsfähigkeit: Achtsamkeit kann die Fähigkeit verbessern, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren und Ablenkungen zu minimieren. Kontrollierte Studien belegen verbesserte kognitive Flexibilität und Aufmerksamkeitskontrolle nach Achtsamkeitstraining (Jha et al., 2007).
Produktivität: Achtsamkeit kann zu einer erhöhten Produktivität führen. Teilnehmer berichten, dass sie schon nach den ersten Kursstunden klarer zu denken und effizienter zu arbeiten beginnen. Studien im Arbeitsumfeld zeigen, dass MBSR-Training mit verbesserter Aufgabenerledigung und reduziertem Multitasking verbunden ist (Levy et al., 2012).
Quellen
- Black, D. S., O’Reilly, G. A., Olmstead, R., Breen, E. C., & Irwin, M. R. (2015). Mindfulness meditation and improvement in sleep quality and daytime impairment among older adults with sleep disturbances: a randomized clinical trial. JAMA internal medicine, 175(4), 494-501.
- Carson, J. W., Carson, K. M., Gil, K. M., & Baucom, D. H. (2004). Mindfulness-based relationship enhancement. Behavior therapy, 35(3), 471-494.
- Eberth, J., & Sedlmeier, P. (2012). The effects of mindfulness meditation: a meta-analysis. Mindfulness, 3(3), 174-189.
- Hilton, L., Hempel, S., Ewing, B. A., Apaydin, E., Xenakis, L., Newberry, S., … & Maglione, M. A. (2017). Mindfulness meditation for chronic pain: systematic review and meta-analysis. Annals of Behavioral Medicine, 51(2), 199-213.
- Hofmann, S. G., Sawyer, A. T., Witt, A. A., & Oh, D. (2010). The effect of mindfulness-based therapy on anxiety and depression: A meta-analytic review. Journal of consulting and clinical psychology, 78(2), 169.
- Hölzel, B. K., Lazar, S. W., Gard, T., Schuman-Olivier, Z., Vago, D. R., & Ott, U. (2011). How does mindfulness meditation work? Proposing mechanisms of action from a conceptual and neural perspective. Perspectives on psychological science, 6(6), 537-559.
- Jha, A. P., Krompinger, J., & Baime, M. J. (2007). Mindfulness training modifies subsystems of attention. Cognitive, Affective, & Behavioral Neuroscience, 7(2), 109-119.
- Kabat-Zinn, J. (2003). Mindfulness-based interventions in context: past, present, and future. Clinical psychology: Science and practice, 10(2), 144-156.
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- Kuyken, W., Warren, F. C., Taylor, R. S., Whalley, B., Crane, C., Bondolfi, G., … & Dalgleish, T. (2016). Efficacy of mindfulness-based cognitive therapy in prevention of depressive relapse: an individual patient data meta-analysis from randomized trials. JAMA psychiatry, 73(6), 565-574.
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- Lutz, A., Brefczynski-Lewis, J., Johnstone, T., & Davidson, R. J. (2008). Regulation of the neural circuitry of emotion by compassion meditation: effects of meditative expertise. PloS one, 3(3), e1897.
- Malpass, A., Carel, H., Ridd, M., Shaw, A., Kessler, D., Sharp, D., … & Wallond, J. (2012). Transforming the perceptual situation: a meta-ethnography of qualitative work reporting patients‘ experiences of mindfulness-based approaches. Mindfulness, 3(1), 60-75.
- Neff, K. D., & Germer, C. K. (2013). A pilot study and randomized controlled trial of the mindful self‐compassion program. Journal of clinical psychology, 69(1), 28-44.
- Pascoe, M. C., Thompson, D. R., Jenkins, Z. M., & Ski, C. F. (2017). Mindfulness mediates the physiological markers of stress: systematic review and meta-analysis. Journal of psychiatric research, 95, 156-178.